Das Anwesen - Die Goethe-Friederike-Brion-Stube
Der geheimnisvollen Elsässerin Friederike Brion, deren Herz einst Dichterfürst
Johann Wolfgang von Goethe bezirzte, gilt die Goethe-Friederike-Brion-Stube,
welche den idealen Rahmen für Hochzeiten und Jubiläen bietet.
Friederikes Geburtsdatum ist zweifelhaft, da die Kirchenbücher bei der Französischen
Revolution vernichtet wurden. Sie war das dritte von fünf überlebenden Kindern des Ehepaars Brion,
einer Pfarrersfamilie. Ihr Vater Jakob Brion nahm 1760 eine Stelle als Dorfpfarrer in
Sesenheim an, wo Friederike dann heranwuchs.
Es gab viele Besucher des Pfarrhauses, unter Ihnen auch Johann Wolfgang Goethe, der zu dieser
Zeit Rechtsstudent in Straßburg war. Sein erster Besuch des Pfarrhauses, der wohl die
bekannteste Liebesepisode in der Literatur hervorgebracht hat, wird auf den Herbst 1770 datiert.
Hier einige Eindrücke, die Goethe über seine Treffen mit Friederike niederschrieb:
„Schlank und leicht, als wenn sie nichts an sich zu tragen hätte, schritt sie,
und beinahe schien für die gewaltigen blonden Zöpfe des niedlichen
Köpfchens der Hals zu zart. Aus heiteren blauen Augen blickte sie sehr deutlich umher, und das
artige Stumpfnäschen forschte so frei in die Luft, als wenn es in der Welt keine Sorge geben könnte;
der Strohhut hing am Arm, und so hatte ich das Vergnügen, sie beim ersten Blick auf einmal in ihrer
ganzen Anmut und Lieblichkeit zu sehn und zu erkennen.“
Es folgten in nächster Zeit noch viele Besuche in Sesenheim, bei denen Goethe und Friederike
viel Zeit mteinander verbrachten. Goethe bezeichnete Sesenheim in der Literatur als seinen
"Mittelpunkt der Erde".
Doch schon im Frühjahr 1771 drängte in Goethe wieder die Lust zu dichten. Es entstanden zu der Zeit
viele Lieder und Gedichte, die er an Friederike schickte. Beispiele für diese Werke sind
z. B. das 'Mailied' oder auch 'Das Heidröslein'.
Im frühen Sommer 1771 ging die Liebesbeziehung zwischen Goethe und Friederike dann zu ende.
Goethe verschlug es nach Frankfurt, wo er einen Brief an Friederike schrieb, der Ihre Beziehung
endgültig beenden sollte. Friederikes Antwort findet man noch heute in Goethes Literatur,
z.B. 'stets empfand ich, dass sie mir fehlte, und was das
Schlimmste war, ich konnte mir mein eignes Unglück nicht verzeihen'.
Friederike blieb bis an ihr Lebensende unverheiratet und wohnte noch bis zum Tod ihres Vaters
im Jahre 1787 in ihrem Elternhaus. Danach zog
Friederike mit ihrer jüngeren Schwester Sofie zu ihrem Bruder Christian auf die Pfarrei Rothau im
Steintal. 1801 siedelte Friederike zur Unterstützung der kränklichen Schwester ins Pfarrhaus
nach Diersburg über und blieb danach mit einigen Unterbrechungen dort.
1805 folgte sie der Familie ins badische Meißenheim. 1807 starb die Schwester.
Friederike war nicht bei bester Gesundheit. Zu Beginn des Jahres 1813 musste sie ihre Schwester
Sofie darum bitten, sie zu versorgen.
Am 3. April 1813 starb sie und wurde am 5. April auf dem Meißenheimer Friedhof
bestattet. Der dort heute noch zu sehende Grabstein, gefertigt vom Bildhauer Wilhelm Hornberger,
wurde erst 1866 auf der völlig verwahrlosten Grabstätte errichtet. Die Inschrift lautet, nach einem Vers von Ludwig Eckardt:
„Ein Strahl der Dichtersonne fiel auf sie, so reich, daß er Unsterblichkeit ihr lieh!“